Jägerin der besonderen Worte


Als Autorin verstehe ich mich immer mehr auch als eine Person, die besonders schöne oder seltene Wörter sucht. Warum? Na, damit sie nicht verloren gehen.

Ein ehemaliger Kollege erzählte mir einmal, dass es in seiner Familie Sitte ist, dem erstgeborenen Jungen einen bestimmten Namen zu geben. So kommt es vor, dass dieser eine Name sehr häufig auf Familienfeiern gerufen wird. Ich fand das im ersten Moment verwirrend, doch dann erklärte er mir, dass dieser Name in seiner Familie eine wichtige Bedeutung hat und darum von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Namen sind ein Aspekt der Sprache, werden sie nicht mehr verwendet, geraten sie Vergessenheit. So passiert es auch Wörtern, die aus unserem Sprachgebrauch verschwinden. Berufe, die es nicht mehr gibt, werden auch nicht mehr genannt und oft weichen alte Begriffe neuen Bezeichnungen.

Seit einiger Zeit sehe ich mich daher als Autorin auch stärker zur Jägerin besonderer Worte berufen, die ich in meinen Büchern niederschreiben und so vor dem Vergessenwerden bewahren will. Ich versuche in jeder Geschichte zwei bis drei dieser Begriffe unterzubringen. Es ist nicht leicht und man darf es nicht erzwingen, aber es macht sehr viel Spaß!

Falls Ihr Euch nun fragt, wo ich meine Worte finde, nun, da gibt es ganz unterschiedliche Quellen. Zum einen natürlich Bücher! Sucht man aber nach älteren Wörtern muss man auch Bücher lesen, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben. In Michael Endes Die unendliche Geschichte findet sich zum Beispiel das Wort Kleinod, als Bezeichnung für das Auryn, das Zeichen der kindlichen Kaiserin. Kleinod ist ein altes deutsches Wort für ein Schmuckstück. Sucht man in dem Zusammenhang nach Synonymen findet man Kostbarkeit oder den französisch-anmutenden Begriff Bijouterie.

Synonyme sind ein weiteres Feld, auf dem man eine Fülle an neuen-alten Wörtern finden kann. Früher habe ich dazu das Woxikon verwendet, heute genieße ich die ausladende Auswahl von Papyrus Autor (dem Schreibprogramm, mit dem ich arbeite). Tatsächlich war die Synonyme-Datenbank einer der ausschlaggebenden Gründe, das Programm zu kaufen (neben Figruen-Datenbank und der umfangreicher Stil-Analyse).

Eine weitere Quelle sind Games, die ich ab und an spiele. So habe ich den Begriff Alkoven (Bettniesche) zum ersten Mal beim Tomb Raider IV gehört und später bei Star Trek Voyager wiedergefunden. Das Wort Ossarium (Beinhaus) schnappte ich im Game Dracula 3 – Der Pfad des Drachen auf.

Meine größte Inspirationsquelle sind jedoch Filme und Serien. In der Anime-Reihe One Piece stieß ich auf Archipel (Inselgruppe), ein Wort, dass ich vor kurzem in der zweiten Staffel von Sense8 erneut aufgriff und notierte. Petrichor stammt aus der siebten Staffel von Doctor Who (Die Folge heißt Die Frau des Doktors und wurde von Neil Gaiman geschrieben, der das Wort auch in American Gods untergebracht hat. Es beschreibt den Geruch nasser Erde nach dem Regen). Lichtspielhaus (Kino) und Kandelaber (Kerzenhalter) kamen später ebenso hinzu wie Eildepesche (Schnelles Telegramm) oder Grimoire (Zauberbuch).


Später entdeckte ich auch, dass es in jeder Sprache Wörter gibt, die keine andere Sprache hat und die als unübersetzbar gelten. Für Deutsch wären das beispielsweise Waldeinsamkeit und Weltschmerz (aber auch Warmduscher und Treppenwitz ^^).

Ihr seht, es gibt gleich eine ganze Menge Quellen aus denen jeder schöne Wörter schöpfen kann. Ich habe zumindest immer ein Notizbuch mit auf dem Sofa liegen, damit mir auch ja keines davon durch die Lappen geht.

Eure Fay



P.S.: Niemand hält Euch davon ab, selbst Wörter zu erfinden 😉