Montag, 6. Juni 2016

Der Vampir und das Sixpack


Er ist heiß, durchtrainiert, mit Muskeln an Stellen, an denen andere Männer noch nicht mal Stellen haben. Er ist ein Vampir! So, oder ähnlich hört, sieht und liest man es immer wieder und mal ernsthaft Leute: Kotzt es Euch auch so an wie mich?

Die Pop-Kultur hat den Vampir aus dem Sarg geholt, ihn ausgezogen, mit Babyöl beschmiert und ins Rampenlicht gestellt. Dort sonnt er sich nun im Schein des Neonlichts und ist das neue Sexsymbol ... zumindest so lange, bis eine andere Gestalt (vielleicht ein Milladär mit fragwürdigem Fetisch?) seinen Platz einnimmt.

Okay, ja, Vampire sind, waren und werden es immer sein: mystisch und anziehend. Aber ihr modernes Sexsymbol-Image mit Hausfrauenbefeuerter-Effekt ist mir persönlich dann manchmal doch etwas zu viel. Vor allem wenn gleich ALLE Vampire versuchen sich gegenseitig mit ihrer Sixpack-Show zu übertreffen. Versteht mich nicht falsch, ich weiß ein sexy Sixpack zu schätzen. Aber zu viel davon bringt’s auch nicht und reduziert besonders die männlichen Vampire auf ihre Äußerlichkeiten. Und man kann als Frau nicht auf der einen Seite motzen, dass die Männer einen nur auf die Titten reduzieren und gleichzeitig aber andersherum das Gleiche tun.

Natürlich ist das nicht in allen Vampir-Romanen so und manche sind ja auch direkt auf Sex ausgerichtet und verlangen nicht nach tiefgründigen Charakterbeschreibungen. Was total in Ordnung ist. Und ich habe ja nicht alle Vampir-Romane auf diesen Planeten gelesen ... jedoch einige davon. Aber wenn die Vampire der modernen Pop-Kultur nicht gerade mit über 100 Jahren noch zur Schule gehen und fragwürdige Beziehungen mit minderjährigen Schülerinnen führen, dann hüpfen sie mit willigen menschlichen Weibchen durch die Betten. So will es zumindest das Klischee und so habe ich es selbst schon in TV-Serien gesehen und in Büchern gelesen ... was sagt das über mich aus?

Nun, als Autorin versuche ich es anders zu machen.
Zum einen verlangt das auch das futuristische Steampunk-Setting, in das ich meine Welt gebettet habe. Steampunk verspricht Abenteuer, Erfindungen und Retro-Technik und das will ich bieten. Zum einen haben meine Vampire einen sehr genau ausgearbeiteten Stammbaum, so kann ich jeden von Ihnen bis zu seinem Ursprung verfolgen (darüber gab es sogar mal einen Blog-Eintrag von mir KLICK HIER). Zum anderen überlegte ich mir, wann es wirklich Sinn macht einem Vampir ein Sixpack zu verpassen und wann nicht.

Zurzeit schreibe ich an Teil 3 der New Steampunk Age-Reihe und habe genauso einen Vampir hineingeschrieben. Er wurde im Mittelalter zum verwandelt und war damals ein Ritter. Es ist also irgendwie klar, das sehr gut durchtrainiert ist. Und dann haben wir ja noch Phineas, mit dem es im bald erscheinenden zweiten Teil ein kurzes Wiedersehen geben wird. Er war nicht in bester körperlicher Verfassung als er zum Vampir gemacht wurde und hat daher bis heute eine eher drahtige Figur.

Ich überlege mir immer aus welcher Zeit die Vampire stammen, welches Schönheitsideal herrschte, aus welcher Gesellschaftsschicht sie kamen und unter welchen Umständen sie erschaffen wurden. Daraus ergibt sich dann sehr schnell ihr Aussehen, dass sie bis in die Gegenwart beibehalten. Meine Vampire können sich nur marginal verändern, die körperliche Statur bleibt gleich.

Ich möchte auch noch kurz auf das Thema Sex eingehen. Klar haben meine Vampire auch Sex, warum auch nicht, macht ja schließlich Spaß. Aber was mich immer verwundert hat ist, dass die Vampire der modernen Pop-Kultur offenbar unglaublich gerne Sex mit Menschen haben? Warum um Himmels Willen? Warum sollte ein Vampir, der als übermenschlich stark beschrieben wird, Sex mit einer menschlichen Frau haben wollen? Die geht doch glatt kaputt dabei ... oder ist der Vampir dann vielleicht doch nicht so übermenschlich Stark, oder hält er sich extra für sie zurück? Nun, mich hat es immer verwundert und ich habe es bei meinen Vampiren dann auch dabei belassen, dass sie sich zwar gerne das Blut von Menschen holen, aber den sexuellen Kick dann lieber unter ihresgleichen suchen.

Gosh, jetzt hab ich mir ganz schön was von der Seele geredet! Aber ich hatte das Gefühl, dass es dringend mal nötig war. Ich hoffe, der Beitrag hat Euch gefallen, hinterlasst mir doch unten ein Kommentar.

Danke

Fay

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